Ein grauer Dienstagmorgen, die Schulglocke hat gerade geläutet: Silvia, seit mehr als 20 Jahren Lehrerin an einer Primarschule, betritt ihr Klassenzimmer. Sie ist müde, die Nacht war kurz gewesen, und schon beim ersten Blick auf ihre Schüler:innen spürt sie: Heute würde es schwer werden. Die Kinder sind unruhig, die Aufmerksamkeit gering – irgendwie spiegelte der Raum ihre eigene Erschöpfung wider.
In der Pause erzählt sie im Lehrpersonenzimmer: «Ich habe das Gefühl, ich gebe alles – aber irgendwann ist nichts mehr übrig.» Dieser Satz zeigt eindrücklich, was wir oft übersehen: Unterrichtsqualität beginnt nicht bei Methoden oder Materialien, sondern bei der Gesundheit der Menschen, die ihn gestalten.
Gesundheit als Fundament
Wir sprechen viel über Unterrichtsqualität, über Methoden, Digitalisierung, KI oder Schulentwicklung. Doch all das steht auf einem Fundament: der Gesundheit der Menschen, die Schule gestalten. Lehrpersonen und Schulleitungen sind keine Maschinen. Sie sind das Herzstück jeder Schule – und wenn dieses Herz erschöpft ist, leidet die gesamte Organisation.
Selbstfürsorge ist Verantwortung
Silvia hat bisher gedacht Selbstfürsorge sei Luxus oder gar Egoismus. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wenn sie sich um ihre eigene Gesundheit kümmert, übernimmt sie Verantwortung – für sich selbst, für die Schüler:innen und für das Kollegium. Ein klarer Kopf, Energie und innere Balance sind die Voraussetzung, um Unterricht lebendig und nachhaltig zu gestalten.
Es geht nicht um grosse Wellnessprogramme oder stundenlange Meditation. Schon kleine Routinen machen einen Unterschied:
- Kurze Pausen bewusst nutzen – nicht nur für Korrekturen, sondern für einen Moment der Ruhe.
- Bewegung einbauen – ein Spaziergang in der Mittagspause wirkt Wunder.
- Grenzen setzen – nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet werden.
Diese scheinbar kleinen Schritte sind Investitionen in die eigene Kraft – und damit in die Qualität des Unterrichts.
Mein Blick als Schulberaterin
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder, wie Schulen aufblühen, wenn Lehrpersonen und Schulleitungen ihre Gesundheit ernst nehmen. Unterricht wird kreativer, Konflikte werden konstruktiver gelöst, und die Schulkultur gewinnt an Wärme. Gesundheit ist kein Nebenthema – sie ist die Basis für alles, was wir erreichen wollen.
Fazit
Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für guten Unterricht und starke Schulen. Wer sich selbst schützt, stärkt alle anderen.

