Freitag nach der Mittagspause, eine Doppellektion Chemie steht auf dem Plan. Die Schüler:innen betreten das Chemiezimmer, die einen mit den Gedanken noch in der Pause, die anderen schon beim Ausgang am Wochenende. Ich spüre die Unruhe, das Murmeln, die Müdigkeit. In diesem Moment weiss ich: Meine Energie entscheidet, ob wir einen spannenden Nachmittag vor uns haben oder ob er zäh wird.
Die Lektion hat schon vor dem eigentlichen Stundenthema begonnen, mit der Einstellung, mit der ich den Raum betreten habe. Meine Energie ist spürbar – sie wirkt wie ein Signal. Wenn ich klar und präsent bin, verändert sich die Atmosphäre. Aus Müdigkeit wird Aufmerksamkeit, aus Unruhe entsteht Konzentration – und plötzlich hört die Klasse wirklich zu.
Ich habe gelernt, meine Energie bewusst zu gestalten. Kleine Rituale geben Struktur, ein gemeinsamer Startsatz schafft Ruhe und Orientierung. Humor und Gelassenheit helfen, Störungen nicht als Belastung, sondern als Chance zu sehen. Grenzen setzen und Freiräume lassen hält den Unterricht lebendig und schont meine Kräfte. So spüren die Schüler:innen: Ich bin da, ich bin präsent. Und genau das macht den Unterschied.
Doch die Energie, die ich für diese Präsenz benötige, ist kein Selbstläufer. Der Lehrberuf ist sinnstiftend und erfüllend, gleichzeitig stellt er uns vor vielfältige Herausforderungen. Zeitdruck, Erwartungen und ständige Erreichbarkeit können Kräfte rauben. Ohne Schutz der eigenen Ressourcen geht langfristig Selbstwirksamkeit verloren. Gesundheit braucht nicht nur individuelle Strategien, sondern auch Strukturen, die Lehrpersonen und Schulleitungen entlasten.
Mein Blick als Schulberaterin
Energie ist nicht einfach da. Sie entsteht dort, wo Gesundheit ernst genommen wird – individuell und im System. Lehrpersonen, die ihre Kraftquellen pflegen, steigern ihr Wohlbefinden und schaffen die Grundlage für guten Unterricht.
Fazit
Die Energie im Raum macht den Unterschied, damit Lernen gelingt und Unterricht lebendig bleibt.

